Kinoforen | MovieGodChat | MovieBlog
 Login:  Passwort: Noch keinen Account? Hier Registrieren.
MovieGod.de
MovieGod.de KINO DVD/HD COMMUNITY
SUCHE
MovieGod.de
15.12.05 08:00

Guerillas im Pressedschungel

vom Affentheater deutscher Filmvertriebe

Willkommen zum ersten Editorial auf MovieGod.de.
An dieser Stelle findet Ihr in Zukunft, hoffentlich regelmäßig, Kommentare, Hintergründe und generell willkürliche Infos zum Geschehen hinter und vielleicht auf vor den Kulissen, je nachdem, wozu wir gerade Lust haben.



Man könnte argumentieren, nun da Star Wars: Episode 3 und Batman Begins ein Weilchen zurückliegen und die Erinnerung ausbleicht, King Kong sei das Filmereignis des Jahres. Und ginge es nach der UIP, Deutschlandvertrieb von Paramount und Universal, wäre es ein Ereignis, das unter Ausschluß der Online-Kritiker stattfindet. Selbige wurden nämlich zu den Pressevorführungen ausdrücklich nicht eingeladen und mussten sich, soweit möglich, ihre Sitzplätzchen auf anderem Wege beschaffen.

Über die Beweggründe der Aktion mag man spekulieren. In Österreich lädt die UIP seit längerem keine Onliner mehr ein - der offizielle Grund: Raubkopien, was auch sonst.
Im Falle King Kong wurde uns kein konkreter Grund genannt, doch ist die Antwort offensichtlich: Online-Kritiker sind schlicht und einfach unbequem.

MovieGod.de wächst und gedeiht, doch werden die wenigsten Besucher einen Film wie King Kong erst nach einer positiven Rezension auf dieser Seite ansehen. Wäre allerdings die Kritik negativ ausgefallen, hätten sich durchaus einige Leute das Eintrittsgeld sparen können.
Natürlich gilt dies in der Theorie auch für andere Medien, doch folgen diese bei genauerer Betrachtung ganz anderen Gesetzen. Wenn in einer großen Kinozeitschrift eine doppelseitige Werbeanzeige geschaltet ist, wird kein Geschäftsführer eine Bewertung des beworbenen Films unter "80%" zulassen. In vielen Fällen wird die für den Film zuständige PR-Firma die Empfehlung als "Film der Woche" gleich mitbuchen und die Pressevorführung zur Formsache degradieren. Natürlich sollen hier nicht alle Print-Redaktionen über einen Kamm geschoren werden (vor allem bei den Tageszeitungen geht es vermutlich nicht so zu), doch die Beispiele, wo diese Praktik sogar relativ offen ausgeübt wird, sind prominent.
In einer Online-Redaktion, die in der Regel von Nebenberuflern ohne ernsthafte wirtschaftliche Interessen geführt wird, gibt es derartige Konflikte nicht. Das Privileg, einen Film vor dem offiziellen Kinostart zu sehen, verköstigt und mit Hochglanz-Presseheften eingedeckt zu werden sowie natürlich der Spaß am Schreiben selbst machen in der Regel den Reiz an der Arbeit aus. Diese Privilegien nicht zu verspielen, mag ein Anreiz sein, auch mal einen mittelmäßigen Film mit einem blauen Auge davonkommen zu lassen, eben dieser Anreiz fällt aber natürlich vollends weg, sobald die Vertriebe anfangen, die Presse-Privilegien für Onliner abzubauen.

Welche Blüten die Kurzsichtigkeit der deutschen Vertriebe in den nächsten Monaten und Jahren treiben wird, bleibt abzuwarten. Fakt ist: Die Online-Magazine werden nicht untergehen. Der Online-Bereich der Medienlandschaft wird zunehmend größer, wichtiger und über kurz oder lang auch mächtiger. Mit dem Entstehen der freien Magazine wie MovieGod.de wandelt sich die Art, wie die Filmfans an ihre Informationen kommen, denn durch die ehrlichen, negativen Kritiken gewinnen auch die positiven Bewertungen entscheidend an Bedeutung. Und dass die Besucher Kritiken, die diesen Namen auch verdienen, zunehmend zu schätzen wissen, beweist auch der flüchtigste Blick auf die Besucherstatistiken.
Werden diese Magazine nun von den Studiofilmen ausgeschlossen, kann dies letztlich nur zwei Konsequenzen haben. Entweder, sie wenden sich zunehmend den kleinen Filmen zu und blenden die großen schlichtweg aus oder, wenn gänzlich der Hahn abgedreht wird, widmen sich dem Heimkino, das dem Kino ohnhin schon mächtig das Wasser abgräbt.
In beiden Fällen werden die ohnehin schon knappen Gewinnmargen der Vertriebe mehr leiden als die Besucherzahlen der Magazine. Deren Aussperren kann letztlich nur, in welchem Maße auch immer, den Untergang des Kinos weiter beschleunigen.

Ich richte also den selben Aufruf an die Vertriebe wie schon in meinem Blog-Eintrag, der sich mit der Belästigung des zahlenden Publikums mit Raubkopie-Paranoia beschäftigte:

Überlegt Euch gut, was Euer Ziel ist.

 Links zum Artikel:


comments
#1
vogel
15.12.05 20:03
Jau, dem ist absolut nichts mehr hinzuzufügen, außer vielleicht, dass diverse Verleihe auch kräftig an den Hochglanz-Presseheften sparen im Moment :D

Aber in Sachen Raubkopier-Paranoia war meine Schmerzgrenze in der Narnia-Pressevorführung fast erreicht, als der gesamte Publikumsraum 140-Narnia-Minuten lang von einem netten, aber sehr unruhigen Herrn mit Nachtsichtgerät unter Beobachtung gehalten wurde.
Nach oben

Neuer Kommentar:

Name: (Gast)
Text:
Restbuchstaben

Code: Spamcode

new_on_dvd
news

DVD/HD
FORUM
15.12. 04:44, scholley007
Der Film-Assoziations-Thread
14.12. 15:05, Lex 217
Star Trek: Discovery (2017 - ?)
07.12. 15:15, Lex 217
American Horror Story
02.11. 10:31, Lex 217
Der Geburtstags Thread
KINO