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20.01.06 07:23

Caché

Seite 2

Kritik: Die entscheidende Geduldsprobe steht dem Publikum bereits mit der ersten Einstellung bevor. Eine Totale zeigt das Haus der Familie Laurent. Von unsichtbarer Hand manifestiert sich Zeile um Zeile der Vorspann in besagtes Bild, das auch bei genauestem Hinsehen keinerlei nennenswerte oder gar ereignisreiche Inhalte aufweist. Als man auch nach dem Verblassen der Buchstaben minutenlang dieselbe Einstellung beibehält, stellt sich ein schwer definierbares Gefühl der Beunruhigung ein und bringt den beharrlich wie vergebens nach hilfreichen Details suchenden Betrachter in die richtige Gefühlslage, um dem Kommenden die erforderliche Aufmerksamkeit zu schenken.
Wer erläuterter Eröffnungssequenz bereits ausschließlich mit einem Gähnen begegnet, wird auch der darauf folgenden behutsam aufgebauten Erzählweise nichts abgewinnen können.

Caché zeigt spätestens im letzten Drittel sein wahres Bestreben. Es geht weniger darum, hinter die Identität des Stalkers zu kommen, sondern viel mehr um die Auseinandersetzung mit der lange verborgenen (franz. caché) bzw. verdrängten Vergangenheit der Hauptfigur Georges. Dass Haneke diesen Prozess des "Wieder zu Tage-Förderns“ auch noch in einen weitaus größeren Kontext stellt und den Algerienkrieg der 60iger Jahre mitsamt des daraus entstandenen und bis heute währenden sozialpolitischen Spannungsverhältnisses zur ehemaligen Kolonie thematisiert, ist ein intelligenter und mutiger Kunstgriff, der Bewunderung abfordert.

Die Schauspieler, allen voran der wunderbar facettenreich aufspielende Daniel Auteuil, agieren ausnahmslos hervorragend. Auch Juliette Binoche fühlt sich in ihrer Rolle als starke Ehefrau und Mutter sichtlich wohl und überzeugt mit authentischem Spiel.

Caché ist einerseits subtiler Thriller, andererseits aufwühlendes Psychodrama. Handwerklich ohne Tadel, intellektuell anspruchsvoll und großartig gespielt, erschließen sich alle Beweggründe des Meisterregisseurs und seiner handelnden Figuren erst nach mehrmaligen Sehen und/oder genauerer Nachbetrachtung. Einzig das unbefriedigende Ende stößt etwas sauer auf, zumal ein instruktiverer Abschluss keinerlei negativen Einfluss auf den thematischen Überbau ausgeübt hätte.


Autor: Michael "Eminence" Reisner

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Das Flimplakat zu Caché

Caché

Drama Frankreich, Österreich, Deutschland, 2005

Kinostart: 26.01.2006


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