Kinoforen | MovieGodChat | MovieBlog
 Login:  Passwort: Noch keinen Account? Hier Registrieren.
MovieGod.de
MovieGod.de KINO DVD/HD COMMUNITY
SUCHE
MovieGod.de
21.12.05 07:11

Bin-Jip – Leere Häuser

Seite 2

Kritik: Wie im Genre üblich, erkennen sich die beiden als Ausgegrenzte selben Geistes und gehen von hinnen gemeinsam auf anarchische Heinzelmännchentour. Der behutsamen Annäherung zwischen den beiden, die durchweg dialogfrei über das Schauspiel der beiden Hauptdarsteller Lee Seung-yeon und Lee Hyun-kyoon transportiert wird, folgt ein Verlassen dieser ausgetretenen Genre-Pfade. Die Konvention verlangte, dass der Held die wahre Zuneigung der parasitär angeeigneten vorzieht und mit der Heldin eine gesunde, gesellschaftlich tolerable Beziehung aufbaut und hierbei die durch den gehörnten Ehemann und die Polizei bedrohend auftretende Außenwelt überwindet. Bin-Jip hingegen steht zu seinen Prämissen und geht seinen eigenen Weg.
So werden die Schattenseiten des Helden keineswegs ausgeklammert. Seine engelhafte Ausstrahlung entrückt ihn nicht nur vom Bösen des Menschen; er ist zu ebenso zu unmenschlicher Aggressivität wie Zärtlichkeit fähig, so dass die fast meditative Ruhe des Films - wie so oft bei Kim-Ki Duk - durch plötzliche Eruptionen der Gewalt durchbrochen wird, wenn der Protagonist zum Beispiel den Ehemann seiner Seelenverwandten richtet. Der im asiatischen Geschäftsgebaren allgegenwärtige Golfsport erfährt in diesen Ausbrüchen seine Umdeutung zur archaischen Kampfkunst - der Golfschläger wird zur Keule, der Ball zum Geschoss - und legt so Zeugnis ab von der Regression der bis zur Entfremdung hoch entwickelten Zivilisation in vorgesellschaftliche Barbarei. Auch die Sprache wird zum Instrument von Entfremdung und autoritärer Herrschaft, verfehlt das Subjekt (auf Anrufbeantwortern) oder erniedrigt es (in Polizeiverhören).
Aus diesem Schuldzusammenhang der Gesellschaft - so wissen wir seit Horkheimers und Adornos Dialektik der Aufklärung - gibt es nur eine Ausbruchsmöglichkeit: Der Held muss sich letztendlich selbst entmenschlichen, um in der entmenschlichten Gesellschaft Mensch sein und sich und seiner Geliebten eine Insel für ihr Glück schaffen zu können. Diese Insel ist Utopia, der Nicht-Ort.
Diese Engführung von subjektivem Einfühlungsdrama und distanzierter, abstrakter Gesellschaftsparabel gemahnt an Lars von Triers Dogville. Dessen ‚Trick’ bestand darin, mit seinem formalistischen Aufbau Anleihen an das Brecht’sche epische Theater vorzunehmen, dann aber den Zuschauer in eine distanzlose Einfühlung in Nicole Kidmans Charakter zu locken und schließlich in der Auflösung das volle Verfremdungspotential der Konzeption auszuschöpfen und dadurch den völlig überraschten Zuschauer in ein Gefühl der hilflosen Orientierungslosigkeit zu stürzen. So einen Knall gibt es in Bin-Jip nicht. Distanz und Nähe werden konsequent in eins geschoben, und so ist Kim-Ki Duks Werk in dieser Vereinigung von Mikro- und Makrokosmos vielleicht mehr Meditation denn Film.
Eine Meditation, deren Mantra lautet: "Jeder Mensch ist ein leer stehendes Haus, er wartet, dass ein anderer das Schloss öffnet und ihn befreit."


Autor: Sven Ole "Leisure Lorence" Lorenzen

Seiten
2 
>

content
assignments

DVD/HD
The Box

The Box

Ab 18.02.2010 erhältlich


Inglourious Basterds von Quentin Tarantino ab 14.01. auf DVD/Blu-ray
DVD- und Blu-ray-Versionen auch im Steelbook, Collector's Set für Sammler
FORUM
KINO

Ausnahmesituation

Ab 11.03.2010 im Kino


Kick-Ass: Deutscher Kino-Starttermin verschoben
Die Actionkomödie kommt eine Woche später