Kinoforen | MovieGodChat | MovieBlog
 Login:  Passwort: Noch keinen Account? Hier Registrieren.
MovieGod.de
MovieGod.de KINO DVD/HD COMMUNITY
SUCHE
MovieGod.de
03.01.05 20:58

House of Flying Daggers

Kritik: Im neunten Jahrhundert n. Chr. ist China ein Land in Aufruhr. Aufstände sind an der Tagesordnung, die korrupte Tang-Dynastie blickt ihrem Ende entgegen.
Das "House of Flying Daggers", die mächtigste Rebellen-Vereinigung des Landes, macht dem Kaiser zunehmend zu schaffen, so dass dieser seiner Polizei ein Ultimatum setzt: Innerhalb von zehn Tagen soll der Anführer der Untergrund-Allianz gefasst werden.
Die beiden Hauptmänner Leo (Andy Lau) und Jin (Takeshi Kaneshiro) hecken einen Plan aus, um Jin bei den Rebellen einzuschleusen: Mei (Zhang Ziyi), eine blinde Tänzerin in einem Luxusbordell, steht in Verdacht, die Tochter des alten Anführers zu sein. Jin sucht sie dort inkognito auf und provoziert eine Festnahme. Leo nimmt die beiden in Gewahrsam, in der Hoffnung, Mei Informationen über den neuen Anführer entlocken zu können. Als sie trotz massiver Drohungen nichts preisgibt, befreit Jin sie aus dem Gefängnis, in der Hoffnung, ihr Vertrauen zu gewinnen.
Ein Spiel von Liebe, Verrat, Leidenschaft und Täuschung nimmt seinen Lauf.

Keine Inhaltsangabe könnte den Zuschauer auf das vorbereiten, was ihn bei Zhang Yimous neuem Martial-Arts-Kunstwerk erwartet. House of Flying Daggers ist in seiner visuellen Poesie so überwältigend, dass man beim ersten Anschauen glatt Gefahr läuft, den Großteil der Handlung zu verpassen.
Von Anfang an beeindrucken die unglaublich farbenfrohen und detaillierten Sets, die einen krassen Gegensatz zum kunstvoll-monochromen Design von Yimous letztem Film, Hero, bilden. Die Figuren sind in ebenso opulente Kostüme gekleidet, die in ihrer akribischen Ausarbeitung Erinnerungen an die Herr der Ringe-Trilogie wach werden lassen.
Wie bei dieser Art von Film üblich, ist auch die Physik der metapherlastigen Optik Untertan. Yimou setzt wie schon bei Hero auf spektakuläre Wuxia-Action, bei der die Gesetze der Schwerkraft unbeachtet bleiben und schämt sich nicht einmal, während eines Kampfes die Szenerie vom Herbst in den Winter wechseln zu lassen, um die Schönheit des in den Schnee tropfenden Blutes zu zeigen.

Das Sound-Design steht der Optik in nichts nach. Wer das Glück hat, den Film in einem gut ausgerüsteten Kino (oder Heimkino) zu sehen, sollte sich ein Sabberlätzchen mitnehmen. Bereits nach 10 Minuten weist der Film mit dem sogenannten "Echospiel" alles in die Schranken, was uns Hollywood in der letzten Zeit aufgetischt hat.

Wer einen zweiten Blick riskiert, wird mit Erstaunen feststellen, wie eng die Handlung mit der audiovisuellen Komposition verwoben wurde.
So ist beispielsweise die Blindheit des Mädchens Mei nicht nur ein dramatisches Mittel, um die Kampfszenen interessanter zu gestalten, sondern das Leitmotiv, nach dem die tonale Komposition des Films ausgerichtet wurde: Sämtliche Geräusche wurden über Gebühr laut eingespielt, jeder aufstampfende Pferdehuf, jedes fliegende Messer ohrenbetäubend in Szene gesetzt. Der Zuschauer bekommt am eigenen Leib zu spüren, was es heißt, ein durch Blindheit geschärftes Gehör zu besitzen.
Mehr noch, die Blindheit spiegelt sich im Kern der gesamten Geschichte wieder. Dass Liebe blind macht, ist keine leere Phrase mehr, wenn sich Menschen des vermeintlichen Glückes wegen weigern, das Offensichtliche zu erkennen.

Auch beim besagten plötzlichen Wechsel der Jahreszeiten lassen sich Parallelen zur Handlung ziehen. Berichten zufolge wurde die Szene durch unvorhergesehene Wetterumschwünge während der Dreharbeiten diktiert, nichtsdestotrotz bildet die brachial wütende Natur ein Spiegelbild der erkaltenden Gefühlswelt der Protagonisten.

Bei aller Poesie sollte aber auch erwähnt werden, dass der Plot zumindest in den ersten beiden Akten hinter der Bildgewalt weit zurücksteht. Das Verwirrspiel, das mit seiner Dreiecks-Konstellation ein wenig an Hitchcocks Notorious (Berüchtigt) erinnert, kommt erst gegen Ende richtig in Fahrt, mündet dafür in ein Finale, das in seiner Tragik geradezu Shakespeare'sche Ausmaße annimmt.

Große Gefühle, verpackt in noch größere Bilder. Nach Hero ist Chinas Meisterregisseur mit House of Flying Daggers ein weiteres unwiderstehliches Glanzstück gelungen.


Autor: Felix "Flex" Dencker



content
movie_info
Das Flimplakat zu House of Flying Daggers

House of Flying Daggers

Fantasy Hong Kong / China, 2004

Kinostart: 06.01.2005


weitere Infos zum Film
assignments

News


Mehr zum Thema


DVD/HD
FORUM
15.12. 04:44, scholley007
Der Film-Assoziations-Thread
14.12. 15:05, Lex 217
Star Trek: Discovery (2017 - ?)
07.12. 15:15, Lex 217
American Horror Story
02.11. 10:31, Lex 217
Der Geburtstags Thread
KINO