Kritik: Am Schluß gibt es noch einen peinlichen Auftritt von Rock-Elf Steven Tyler, der nie fern zu sein scheint wenn der Kitsch so stürmisch hagelt wie hier.
Regisseur Robert Zemeckis, der seinen Filmen immer eine überraschende Menschlichkeit zu verleihen vermochte, verlor dieses Ziel bei Der Polarexpress aus den Augen. In der irrigen Annahme, eine ungewöhnliche Geschichte könne das Publikum nicht bei Laune halten, versteifte er sich auf visuelle Spielereien wie die gigantische Rutschbahn für Santas Geschenke oder die physikalisch unmöglichen Kameraperspektiven, die schon zu seinem Markenzeichen geworden sind. So spannend beispielsweise bei Contact die Kamerafahrt aus Sicht des Badezimmerspiegels war, so aufdringlich werden diese Gimmicks mit zunehmender Menge. Neben der schon zur Gewohnheit gewordenen Kamerafahrt durch ein geschlossenes Fenster gibt es eine Aufnahme aus der Perspektive eines Buches, bei der sich die Kamera zwischen Papier und Buchstaben zu befinden scheint, eine an Panic Room erinnernde Fahrt durch ein Schlüsselloch, und so weiter. Allesamt clevere Ideen, doch meist aus reinem Selbstzweck umgesetzt und auf Dauer ermüdend, auch da derartige Tricks in einem Animationsfilm keiner vergleichbaren technischen Finesse bedürfen.
Nur hier und da lassen einige Szenen wie die, in der ein vom Wind bewegter Schneemann dem Jungen hinterherzuwinken scheint, das Genie durchblitzen, das Zemeckis zu einem Ausnahme-Regisseur machte.
Auf schauspielerischer Seite gibt es nur Tom Hanks zu erwähnen, der gleich ein halbes Dutzend Rollen übernimmt - eine lebloser als die andere. Es ist die alte Leier: Sieht man sich einen Zeichentrickfilm an - oder auch einen computeranimierten Film, der zu seinem Wesen steht – stellt man sich auf die veränderte Realität ein, die man serviert bekommt. Man fiebert mit den unmenschlichsten Figuren mit und stellt ihre Motivationen, ihre Emotionen nicht für eine Sekunde in Frage.
Versuchen die Filmemacher allerdings, die Bits und Bytes menschlich aussehen zu lassen, zerfällt die emotionale Glaubwürdigkeit zu Staub. Man sieht Hanks´ Gesicht, man hört seine Stimme, doch seine Augen sind tot und seine Mimik so seelenlos, dass Erinnerungen an Die Invasion der Körperfresser wach werden.