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01.07.10 12:26

Greenberg

Kritik:

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Einige sagen, Noah Baumbach wäre ein neuer Woody Allen. Oder ein junger Woody Allen. Oder schon jetzt ein besserer Woody Allen. Hauptsache ein Woody Allen.
Fünf Jahre ist es her, dass Baumbach als Autor und Regisseur von Der Tintenfisch und der Wal gleichermaßen die Gunst von Kritik und Publikum eroberte, und – sozusagen als Ritterschlag des Mainstreams – für den Drehbuch-Oscar nominiert wurde. 2007 folgte Margot und die Hochzeit, 2009 das Drehbuch zu Der fantastische Mr. Fox für und mit Wes Anderson, mit dem er schon The Life Aquatic schrieb.
Und nun, 2010, also Greenberg. Der Film, dem er die Woody-Allen-Vergleiche zu verdanken hat. Dabei muss Baumbach zuallererst für seinen Mut gelobt werden, Ben Stiller zu besetzen. Dass man diesen nicht primär mit Filmen wie Zoolander oder Meet the Fockers assoziiert, ist immerhin gute fünfzehn Jahre her, da saß er auf dem Regiestuhl zu Reality Bites. Dabei ist es nicht so, dass man es Ben Stiller nicht zugetraut hätte, eine Charakterrolle zu spielen. Oder dass es nun, wo er in Greenberg den lethargischen 40-jährigen gibt, eine so große Überraschung wäre, dass er darin tatsächlich überzeugen kann. Vielmehr scheint es, dass Ben Stiller endlich bestätigt, was man schon immer von ihm gewusst haben will: Dass er mehr kann als Dodgeball - Voll auf die Nüsse.

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„Jugend wird an die Jugend verschwendet“, wird George Bernard Shaw zitiert, wo Greenberg programmatisch ansetzt: „Ich gehe noch weiter, ich würde sagen: Das Leben ist an die Menschen verschwendet“. Eine These, die der Verlauf des Films nicht unbedingt widerlegen möchte.
Stillers Greenberg – und damit Noah Baumbachs Greenberg – ist ein ruhig Gewordener, neurotisch und soziophobisch, der sich vorgenommen hat, es in Zukunft erst einmal mit Nichtstun zu versuchen. Keine gesellschaftlichen Zwänge, kein Druck von außen. Er möchte eine Hundehütte bauen und auf das Haus seines Bruders aufpassen, während dieser samt Familie geschäftlich in Vietnam weilt. Die folgenden Wochen sind für Roger, so heißt Greenberg mit Vornamen, auch eine Reise in die eigene Vergangenheit und zu den alten Freunden, die er zurückließ, als er vor Jahren nach New York ging. Kleine Erkenntnisse treten zu Tage, auf die Greenberg allesamt wie gewohnt reagiert: gar nicht. Er geht viel zu Fuß. Der Hund wird krank. Nur in seinen Beschwerdebriefen, die er an Konzerne und Institutionen schreibt, zeigt er so etwas wie Interesse, Engagement. Greenberg gibt sich mit dem zufrieden, was er ohne Ehrgeiz erreichen kann. Das schließt, so scheint es zunächst, auch die Zuneigung von Florence (Greta Gerwig), der Haushälterin seines Bruders, mit ein. Und irgendwie wird es dann doch eine Liebesgeschichte.

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Baumbachs Regie zeigt sich überaus konsequent und stilsicher. Er portraitiert still, nimmt sich selbst sehr zurück, wodurch er seinen Figuren viel Platz einräumt. Das beginnt schon in der doppelten Eröffnungsszene. In der Titelsequenz zeigt er Florence, wie sie die täglichen Einkäufe erledigt – untermalt von der Steve Miller Band und in gefälligen Bildern, deren Vintage-Optik nur eine Programmkino-Leinwand mit vier abgerundeten Ecken steigern kann. Dann zeigt er den Neuankömmling Greenberg, der sich wundert, dass Fremde im Pool seines Bruders schwimmen. Unabhängig voneinander vorgestellt, zeigt sich schon in dieser kurzen Einleitung ihre Verwandtschaft im Geiste, deren Wege und Umwege in Folge ausgelotet werden. Mal witzig, mal traurig, in jedem Fall unterhaltsam. Der ruhige Grundton der Inszenierung in Kombination mit dem Thema des angeschlagenen Rückkehrers erinnert zuweilen an Zach Braffs Garden State. Oder an eine gemeinere, verbitterte Version davon.
Greenberg schafft letztlich wunderbare hundert Minuten über die kleinen Fragezeichen im Leben eines ewig Unglücklichen, eindrucksvoll gespielt und mit Bedacht inszeniert. Hin und wieder schaut tatsächlich Woody Allen vorbei. Womöglich dank Noah Baumbach, aber in jedem Fall dank Roger Greenberg.


Autor: Christian Simon



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Das Flimplakat zu Greenberg

Greenberg

Spielfilm

Kinostart: 01.04.2010


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