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28.10.09 18:17

Au voleur / A Real Life

Kritik: Teil 5 von Emmas Viennale-2009-Filmkritikenspecial

größere AnsichtAu voleur

Der Kleinkriminelle Bruno (Guillaume Depardieu) schlägt sich in der Pariser Banlieue mit Diebstählen und Einbrüchen durch. Eines Tages begegnet er der Aushilfslehrerin Isabelle (Florence Loiret Caille), die beiden verlieben sich Hals über Kopf. Doch eine Unachtsamkeit führt die Polizei zu Bruno, woraufhin das Paar mit einem gestohlenen Auto in einen nahegelegenen Wald flieht. Dort dringen sie immer weiter in die Natur vor, beschaffen sich ein Boot und lassen sich am Flussufer in einer verlassenen Steinhütte nieder. Doch die unbeschwerte Zeit trauter Zweisamkeit hat bald ein Ende.

Sarah Leonors Drama, der vorletzte Film des im letzten Jahr verstorbenen Guillaume Depardieu, spielt bewusst mit Gegensätzen. Neben den offensichtlichen, etwa dem sozialen Status des Liebespaares, ist der Kontrast zwischen Stadt und Land von zentralem Interesse. Während sich die Protagonisten in der Stadt ständig Hürden gegenübersehen und sich eingesperrt fühlen, ist es die Natur, die den beiden Momente der völligen Freiheit beschert. Doch nicht nur die Handlungsverlagerung an sich, sondern auch Leonors Inszenierung hebt die gefühlsmäßigen Unterschiede zwischen den beiden Akten deutlich hervor. Die trüben Bilder der Stadt sind ebenso um Minimalismus bemüht wie die Musik. Die Figuren wirken überwiegend lethargisch und desillusioniert.

größere AnsichtAu voleur

Der Naturpart des Films wird hingegen mit eindringlichem US-Folk untermalt, die Kameraeinstellungen sind weitaus experimentierfreudiger, was zu einigen bemerkenswerten Aufnahmen führt, und die Ausgelassenheit und Unbeschwertheit schlägt sich auch auf den Habitus des Liebespaares nieder: Es wird gelacht, herumgetollt und befreiend kopuliert, in einem friedvollen Mikrokosmos mit Ablaufdatum. Natürlich braucht der zweite Filmteil den ersten, um überhaupt wirken zu können. Das ändert aber leider nichts an der Geduldsprobe, die ersterer darstellt: Die unmotiviert eingeführten Nebenfiguren, die weder handlungsrelevant erscheinen noch etwas zur Charakterschärfung der Hauptfiguren beitragen, wie auch die Dialogarmut und die Tristesse der Grau-in-Grau-Umgebung sind schlichtweg ermüdend. Alles was danach folgt, inklusive dem wirklich gelungenen Ende, sowie die starken Leistungen beider Hauptdarsteller entschädigen für das zuvor unbedingt aufzubringende Durchhaltevermögen.

Fazit: Ambitioniertes Langfilm-Debüt Sarah Leonors, das geduldsamen Freunden französischer Arthaus-Kost empfohlen werden kann.


Autor: Michael "Eminence" Reisner



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