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30.03.09 09:03

Im Sog der Nacht

Kritik:

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Wow. Das ist Bonnie & Clyde ohne Gangsterromantik, das ist Die fetten Jahre sind vorbei ohne guten Willen. So ein Fazit gehört hier erst einmal an den Anfang, damit überhaupt jemand weiterliest: Im Sog der Nacht mag ein eher unscheinbarer Film sein und ohne nennenswerte Publicity, nicht einmal einen Trailer gönnt man ihm bislang. Dennoch ist Regisseur Markus Welter ein seltenes Kunststück gelungen: Ein nicht nur an den Nerven, sondern auch in den Magen ziehender Thriller aus Deutschland (wenn auch nach skandinavischer Buchvorlage von Fredrik Skagen).

Eine Frau kreischt auf Schweizerdeutsch vor einer verschlossenen Wohnungstür, in der Wohnung das übliche Mittzwanzigerelend: Espressokocher, die halbverbrannte Gemüsepfanne, Plattenspieler im Leerlauf. Ein Mann auf einem Sessel, ein Foto aus besseren Tagen in der Hand und dann ein Gewehr. Ein Pärchen hat Sex, dann: Ein Schuss. Der ging daneben, wie gleich zu erfahren ist: Roger hat sich lediglich am Ohr verletzt, die zur Hilfe geeilten Lisa und Chris verarzten den Lebensmüden, gemeinsam stürzen sie sich ins Zürcher Nachtleben.
Dass dieser Selbstmord misslingt, wird in den nächsten 80 Minuten die einzige positive Begebenheit bleiben. Wie sich zeigt, sind Rogers neue Freunde selbst verzweifelt und desillusioniert. Doch sie planen, das Leben in die eigene Hand zu nehmen: Ein Banküberfall soll das Ende aller Sorgen sein. Der Plan scheint perfekt - Roger willigt ein, auch er einsam und ohne Zukunft. So wirklich böse Buben und Mädels sind aber alle drei nicht: Der Überfall gelingt, eine Hütte in den Bergen bietet das ideale Versteck, Pläne werden geschmiedet und das Glück zu dritt gesucht. Bis ein Nachbar die Botschaft vom Banküberfall in Zürich überbringt - die Räuber hätten nicht nur eine Million Franken erbeutet, sondern auch die Frau des Direktors tödlich verletzt. Der unüberlegte Schuss, den Chris nun feuert, ist nur der Anfang einer rasanten Schussfahrt Richtung Abgrund.

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Die folgende, verzweifelte Flucht gerät dabei trotz Verfolgungsjagden nicht zum Actionknüller, vielmehr zeichnet Welter ein packendes, kammerspielartiges Psychogramm dreier sozialer Verlierer in einem außer Kontrolle geratenen Abenteuerspiel zwischen Präsidenten-Suite und Autorücksitz. Was zunächst - nicht nur wegen Stipe Erceg, der hier Chris spielt - wie ein Verschnitt von Die fetten Jahre sind vorbei wirken mag, entwickelt sich, vor allem durch die unglaublich intensive Darstellerleistungen der Münchner Theateraktrice Lena Dörrie (Lisa) und auch des Berners Nils Althaus (Roger), der gerade neben Julia Jentsch und Monica Bleibtreu bei der Verfilmung von Tannöd vor der Kamera stand, zu einer echten Erfahrung; hier geht es tatsächlich um Leben und Tod, um Hoffnungs- und Auswegslosigkeit, um Mut und Gewissen, um große Fragen also, die letztendlich Jeden betreffen, zumal mit den dreien echte Identifikationsfiguren geschaffen wurden. Dass die Trostlosigkeit auf der Leinwand dabei das Körperinnere durchzieht, bis das Hinschauen zur Qual wird, macht Im Sog der Nacht zu einem dunklen Höhepunkt des deutschen Films 2009.


Autor: Steffen Greiner



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Das Flimplakat zu Im Sog der Nacht

Im Sog der Nacht

Spielfilm Deutschland / Schweiz, 2008

Kinostart: 14.05.2009


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