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31.10.08 14:22

Waltz with Bashir

Kritik: Teil 9 von Emmas Viennale-2008-Filmkritikenspecial

größere AnsichtWaltz with Bashir

Am 6. Juni 1982 marschierten die israelischen Truppen unter dem Kommando von Ariel Scharon in den Libanon ein und markierten damit den Auftakt eines Krieges, der bis 1985 andauern sollte. Nur wenige Monate später fiel der libanesische Präsident Bachir Gemayel einem Bombenattentat zum Opfer, das den Palästinensern zugeschrieben wurde. Daraus resultierte ein grausamer Racheakt der libanesischen christlichen Phalangisten, Verbündeten Israels, die am 16. September 1982 in den Flüchtlingslagern Sabra und Schatila unter dem Vorwand einfielen, militante Palästinenser zu entwaffnen. In Wahrheit ermordeten sie hauptsächlich unschuldige Zivilisten, darunter Alte, Frauen und Kinder. Das Massaker dauerte bis zum 18. September, die Opferzahlen gingen in die Tausende. Israelische Truppen sahen dem Wahnsinn tatenlos zu.

Ari Folman, Regisseur von Waltz with Bashir, war zu dieser Zeit Soldat der israelischen Armee im Libanon. Die Grundlage für seinen Film bildeten seine Alpträume und die seines Freundes Boaz. Dieser wurde im Schlaf immer wieder von 26 bestialischen Hunden verfolgt, zu sehen in der mitreißende Eröffnungssequenz des Films, und stellte rasch eine Verbindung zu seiner militärischen Vergangenheit her.

größere AnsichtWaltz with Bashir

Folman träumte ebenfalls immer wieder, von drei jungen Männern, die nackt im Meer treiben, danach an den Strand gehen, ihre Uniformen anlegen und mit starrem Blick losziehen. Einordnen konnte er diese Bilder jedoch nicht, eine Gedächtnisblockade ließ keinerlei Erinnerungen an seine Rolle während des Massakers zu. Seine autobiographische Regiearbeit nutzt er zur Vergangenheitsbewältigung, der endültigen Aufarbeitung eines lange verdrängten Traumas. Interessant ist hierbei vor allem die visuelle Umsetzung als Animationsfilm, die es Folman ermöglicht, aus den Traumsequenzen bedrückend-intensive Augenöffner zu machen, die mit ihrer sogartigen Wirkung auch das Publikum kaum loslassen werden. Um die Bilder des Krieges durch den Comicstil nicht zu sehr zu verfälschen und damit einen Abstand zum Thema herzustellen, der so natürlich nicht gewünscht wäre, werden diese von den Stimmen der Beteiligten dokumentiert und wirken dadurch wieder authentischer. Max Richters energetischer Soundtrack sorgt für zusätzliche Gänsehautmomente.

Fazit: Folman definiert mit seinem mutigen Mix aus Dokumentar- und Spielfilm im Animationsgewand das Antikriegskino neu und erschafft ein optisch brilliantes, nachhaltiges Schuldeingeständnis, das unter die Haut geht.


Autor: Michael "Eminence" Reisner



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Das Flimplakat zu Waltz with Bashir

Waltz with Bashir

Animation Israel, 2008

Kinostart: 06.11.2008

FSK: Ab 16 Jahren

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