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29.01.08 00:09

Der Krieg des Charlie Wilson

Kritik:

größere AnsichtDer Krieg des Charlie Wilson

Zu Beginn des Jahres beglücken uns mal wieder die oscar baits, also anspruchsvolle Prestigestreifen der großen Studios, die darauf optimiert sind, bei der Academy Eindruck zu schinden. In letzten Jahr zeichnete diese Filme neben hohen politischen Ambitionen vor allem schlampige Ausführung aus, so dass Spiel der Macht, Bobby und Der gute Hirte ihre Ziele klar verfehlten. Gegenüber diesen Rohrkrepierern vermag sich Der Krieg des Charlie Wilson angenehm abzuheben, wird aber wohl nach der großen Gala (so sie denn dieses Jahr stattfindet) schnell und rückstandlos aus dem Gedächtnis der Zuschauer verschwunden sein.

Die Geschichte ist zunächst durchaus interessant, weil sie Licht auf die Umstände, unter der politische Entscheidungen in der größten Demokratie der Welt getroffen werden, wirft. Der Kongressabgeordnete Charlie Wilson vereint in sich genau die notwendige Mischung aus Korruptionswillen und Aufrichtigkeit, um dem Senat die Mittel aus den Taschen zu leiern, die gebraucht werden, um die Afghanen wirksam in ihrem Widerstand gegen die ins Land eingefallenden Sowjets unterstützen zu können. Um dieses Ziel zu erreichen, vollbringt er das Kunststück, fundamentalistische Christen, Israelis und Moslems an einen Tisch und mit ihrer Hilfe den Schmuggel von Waffen nach Afghanistan vonstatten zu bringen.
Die Schlüsselfigur bei der Entscheidung im Kalten Krieg Ende der 80er wird von Tom Hanks verkörpert, der sich alle Mühe gibt, eine ambivalente Gestalt zu kreieren. Dabei wirkt er im Strip-Club und neben seinen sexy Sekretärinnen immer etwas deplaziert, während ihm der Kämpfer für das Gute deutlich besser liegt. So schafft es trotz kurzer Leinwandzeit Philip Seymour Hoffman in seiner grandiosen Rolle als CIA-Agent, Hanks eine Lehrstunde darin zu geben, wie man den schmalen Grat zwischen Abgebrühtheit und Idealismus beschreitet. Ebenfalls ein hinreißendes Miststück gibt die aus ihrem Mutterschaftsurlaub zurückgekehrte Julia Roberts als texanische Lobbyistin mit christlicher Agenda.

größere AnsichtDer Krieg des Charlie Wilson

Die witzigen Dialoge, die guten Schauspieler und die unterhaltsame Geschichtslehrstunde sind von Routinier Mike Nichols schwungvoll in Szene gesetzt und machen großen Spaß. Doch leider Der Krieg des Charlie Wilson fehlt zum Ende hin Glaubwürdigkeit. Die Figuren sind völlig vereint in dem Glauben, dass der Tod von Kommunisten das einzige ist, was zählt, und es gelingt dem Film nicht sehr gut, diese Haltung zu konterkarieren. Gut, die Geigen schreien "Hier passiert etwas schlimmes", wenn der christliche Senator sich von den Mudschahidin mit "Allah ist groß"-Rufen feiern lässt, und ab und zu lassen Hoffman oder Hanks auch den einen oder anderen altklugen, wissenden Kommentar darüber ab, dass der Fanatismus bald das Problem sein könnte. Nur liegt Nichols ganz deutlich die Eulenspiegelei des Wilson mehr am Herzen als die traurige Pointe, dass für einen geheimen Krieg Mittel zu erlangen sind, für Schulen jedoch mit keinem Trick der Welt.
Ebenfalls fällt auf, dass die politischen Verhältnisse der USA sehr gut gezeichnet sind, die in Afghanistan jedoch nur sehr unzureichend, was als Schwerpunktsetzung natürlich völlig legitim ist, schließlich ist der Film in seiner Form schon komplex genug. Nur leider wiegt damit die einzige Szene, in der die Sowjets dargestellt werden, und zwar als lebensunwerte Untermenschen, besonders schwer und lässt Charlie Wilson dahingehend so subtil wirken wie seinerzeit Rambo 3. Vom gnadenlosen Scharfblick des thematisch ähnlichen Lord of War von Beinahe-Namensvetter Andrew Niccol ist Nichols Streifen damit weit entfernt, so dass auf der Habenseite letztendlich nur ein nettes Filmerlebnis und ein kolossaler Hoffman stehen.


Autor: Sven Ole Lorenzen



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Das Flimplakat zu Der Krieg des Charlie Wilson

Der Krieg des Charlie Wilson

Drama USA, 2007

Kinostart: 07.02.2008


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