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28.10.07 23:16

Diary of the Dead

Seite 2

Kritik:

größere AnsichtDiary of the Dead

Als Erzählerin fungiert die Cutterin Debra (Michelle Morgan). Sie hat das Filmmaterial ihres Überlebenskampfs zusammen geschnitten und ins Internet gestellt - nicht ohne Kommentar. Aus dem Off schwingt sie sich zu medienkritischen Tiraden auf, sie demontiert die Trugbilder aus den Nachrichten und fordert von Journalisten Verantwortung ein. Gleich zu Beginn beteuert sie jedoch: Alles, was gefilmt wurde, ist real - die spannende Hintergrundmusik dient nur dazu, um das Publikum zusätzlich zu erschrecken. Damit stellt sie sich selbst bloß.
Solche subtilen Noten sind selten unter den belehrenden Monologen, moralisierenden Dialogen und Einschüben von Amateuraufnahmen alltäglicher Gewalt. Diese Passagen erinnern an einen Pfarrer, der von der Kanzel herab spricht. Die Predigt, die George Romero in Dawn of the Dead begonnen hat, setzt er nun fort - in fast schon zu ausführlicher Weise.

größere AnsichtDiary of the Dead

Diary of the Dead ist in zweierlei Hinsicht ein kopflastiges Werk - einerseits durch die Anregung einer Mediendiskussion, andererseits durch die vielen Zombiegehirne, die zerfetzt, zerhackt, zerstochen und mit Säure zersetzt werden. Die Wackelkamera hält natürlich immer drauf. Greg Nicotero zeichnet - wie in jedem bedeutenderen Splatterfilm der letzten fünf Jahre - für die Spezialeffekte verantwortlich. Aber: Die CGI-Blutfontänen bei einem Kopfschuss können immer noch nicht gutes, altes Kunstblut ersetzen, sogar Ketchup wäre eine bessere Wahl.

Für Horror mit viel Blut, psychischem Terror und einem Hauch postapokalyptischen Witz wird jedenfalls gesorgt. Diese Stärken hat George Romero längst verinnerlicht. Nach der gut budgetierten Fingerübung Land of the Dead dürfte ihm klar geworden sein, dass ein Ausflug ins Zombieland einen neuen Ansatz braucht, um das Publikum packen zu können.
Die Zwänge eines geringen Budgets resultieren bei Diary in der Freiheit einer radikalen Kritik an Technologie, US-Politik und der Natur des Menschen. Die Stehsätze und Anklagen werden nicht gerade zu einer Offenbarung, sind aber deshalb nicht weniger gültig.

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